WIP: GND / PE – Erdungskonzept 24V-System
Ausgangslage
Section titled “Ausgangslage”Das Haus hat folgende Verteilerstruktur:
| Ort | Geraete (24V-Seite) |
|---|---|
| HV KG | Miniserver, Relay Extension, Netzteile |
| UV EG | Tree Extension, RGBW Dimmer Extension, DALI Extension, Netzteile |
| UV OG | Tree Extension, RGBW Dimmer Extension, DALI Extension, Netzteile |
| 3x Technikpunkte EG | Emilum DALI-Dimmer, lokale 24V-Netzteile |
| 1x Technikpunkt OG | Emilum DALI-Dimmer, lokales 24V-Netzteil |
Die Kernfrage: An welchem Punkt soll der 24V-GND mit dem Schutzleiter (PE) verbunden werden?
Normative Grundlage (Oesterreich)
Section titled “Normative Grundlage (Oesterreich)”In Oesterreich gilt die OeVE/OeNORM E 8001-4-41 (technisch identisch mit HD 60364-4-41:2017, abgeleitet aus IEC 60364-4-41).
Relevante Aussage zum PELV-Stromkreis (Abschnitt 414.4.1):
„PELV-Stromkreise und/oder Koerper der durch die PELV-Stromkreise versorgten Betriebsmittel duerfen geerdet werden.”
Das Schluessenwort ist „duerfen” – nicht „muessen”. Eine GND-PE-Verbindung ist damit in der Gebaeudeinstallation normativ zulaessig, aber nicht verpflichtend (die Pflicht gilt laut EN 60204-1 nur fuer Maschineninstallationen).
Trotzdem ist eine einmalige, zentrale GND-PE-Verbindung im Hauptverteiler technisch sinnvoll und Best Practice – aus den unten erklaerten Gruenden.
Wichtig: Unabhaengig davon muss der PE-Anschluss am Gehaeuseblech aller Schutzklasse-I-Netzteile (230V-Seite) in jedem Verteiler ausgefuehrt sein. Das ist eine separate, eigenstaendige Schutzpflicht (Schutz durch automatische Abschaltung) und gilt auch dann, wenn man auf die 24V-GND-PE-Bruecke ganz verzichtet.
Warum genau eine GND-PE-Verbindung sinnvoll ist
Section titled “Warum genau eine GND-PE-Verbindung sinnvoll ist”Mehrere 24V-Netzteile in verschiedenen Verteilern erzeugen ein gemeinsames GND-Potenzial – sofern ihre GND-Klemmen miteinander verbunden sind (das ist Pflicht fuer einen stabilen Loxone-Bus, siehe Loxone-Dokumentation).
Wird dieses gemeinsame GND-Netz an mehreren Stellen mit dem PE verbunden, entsteht eine Masseschleife: Der PE fuehrt im normalen Betrieb minimale Ausgleichsstroeme (von Netzteilen, Motorlasten, Frequenzumrichtern etc.). Diese Stroeme erzeugen auf dem PE messbare Spannungsunterschiede zwischen den Verteilern. Sobald das GND-Netz an zwei dieser Punkte mit PE brueckiert ist, fliesst ein Teil dieser Ausgleichsstroeme ueber die GND-Leitung – und verschiebt damit das Bezugspotenzial zwischen Miniserver und Extensions.
Folgen in der Praxis: Flackern von LED-Lasten, DALI-Bus-Fehler, instabile Tree-Kommunikation, im Extremfall beschaedigte Bus-Komponenten.
Loxone selbst bestaetigt in der offiziellen Dokumentation zum Miniserver und zur Tree-Extension:
„Wenn fuer die Extensions ein eigenes Netzteil zum Einsatz kommt (z. B. in einer Unterverteilung), muss auch der GND mitverbunden werden. … Diese Verbindung ist fuer eine stabile Datenuebertragung zwingend notwendig.”
Die GND-Verbindung zwischen Verteilern ist also nicht optional – die Frage ist nur, wo einmalig die PE-Bruecke gesetzt wird.
Empfohlenes Konzept fuer dieses Projekt
Section titled “Empfohlenes Konzept fuer dieses Projekt”1. HV KG – zentraler GND-PE-Verbindungspunkt
Section titled “1. HV KG – zentraler GND-PE-Verbindungspunkt”- Was: Die GND-Sammelschiene der 24V-Netzteile im Keller wird einmalig mit der PE-Schiene des Hauptverteilers verbunden.
- Warum hier: Naechster Punkt zur Hauptpotenzialausgleichsschiene (HPAS), kuerzester Weg, geringstes Risiko einer Masseschleife.
- Querschnitt: Abhaengig vom Gesamtstrom des 24V-Systems; fuer dieses Projekt realistisch 2,5 mm², bei groesserer LED-Gesamtlast 4 mm² pruefen.
- Aderfarbe: Nicht gelb-gruen (der PE bleibt ausschliesslich gelb-gruen). Projektkonvention ist weiss fuer 24V-GND – diese Bruckenader ebenfalls weiss, mit klarer Klemmbeschriftung oder Clipkennzeichnung „GND-PE”.
2. UV EG und UV OG – kein eigener GND-PE-Kontakt
Section titled “2. UV EG und UV OG – kein eigener GND-PE-Kontakt”- Was: Die Netzteile in den Unterverteilern verbinden ihren GND nur mit dem durchgefuehrten GND-Netz (ueber die Link-Zuleitungsadern oder eine dedizierte GND-Ader).
- Kein PE-Kontakt auf der 24V-Minus-Schiene.
- 230V-Gehaeuseseite bleibt davon unberuehrt: Der PE-Anschluss am Gehaeuseblech des Netzteils muss trotzdem angeschlossen sein – das ist Pflicht fuer Schutzklasse-I-Geraete.
3. Technikpunkte (3x EG, 1x OG) – kein GND-PE-Kontakt
Section titled “3. Technikpunkte (3x EG, 1x OG) – kein GND-PE-Kontakt”- Was: Die lokalen 24V-Netzteile in den Technikpunkten verbinden ihren GND nicht mit dem ortlichen PE.
- Begruendung Praxis: Lange Wege zwischen TP und Hauptverteiler bedeuten groessere Potenzialunterschiede auf dem PE – eine Bruecke hier haette den staerksten Masseschleifen-Effekt.
- Wichtiger Hinweis zur galvanischen Trennung: Die Emilum-DALI-Dimmer werden ueber den DALI-Bus gesteuert. Die Loxone DALI-Extension fuehrt ihre DALI-minus-Leitung intern auf den 24V-GND des Loxone-Systems zurueck. Damit besteht ueber die zwei DALI-Busleitungen bereits ein GND-Pfad zwischen Technikpunkt und Unterverteiler. Die Technikpunkte sind also keine galvanisch getrennten SELV-Inseln (wie gelegentlich vereinfacht dargestellt wird) – sie sind ueber den DALI-Bus mit dem gemeinsamen GND-Netz verbunden. Das aendert nichts an der Empfehlung (kein PE-Kontakt am TP), aber die Begruendung ist Masseschleifen-Vermeidung, nicht SELV-Isolation.
Zusammenfassung als Matrix
Section titled “Zusammenfassung als Matrix”| Ort | Geraete | 24V-GND mit PE verbinden? | Begruendung |
|---|---|---|---|
| HV KG | Miniserver, Relais, Netzteile | JA – einmalig | Zentraler Bezugspunkt; naehester PE/HPAS; Masseschleifen-Risiko am geringsten |
| UV EG | Tree-, RGBW-, DALI-Extension, Netzteile | NEIN | GND laeuft nur via Ader zum KG-GND durch; Gehaeuseseite der Netzteile bleibt an PE |
| UV OG | Tree-, RGBW-, DALI-Extension, Netzteile | NEIN | Wie EG; ausserdem laengerer PE-Weg erhoehte Potenzialdifferenz |
| 4x Technikpunkte EG/OG | Emilum DALI-Dimmer, lokale Netzteile | NEIN | Laengste PE-Wege, staerkste Schleifengefahr; GND-Verbindung zum UV laeuft ueber DALI-Busleitungen |
Wichtige Installationsregeln
Section titled “Wichtige Installationsregeln”- GND-Durchverbindung ist Pflicht: Fuer jeden Link-Abschnitt muss eine dedizierte GND-Ader durchgefuehrt sein (Loxone-Anforderung). Ohne sie kommunizieren Extensions nicht stabil.
- PE-Anschluss der Netzteile immer: Schutzklasse-I-Netzteile haben einen eigenen PE-Anschluss fuer ihr Metallgehaeuseteil auf der 230V-Seite. Dieser muss in jedem Verteiler und TP angeschlossen sein – unabhaengig von der 24V-Seite.
- Gelb-Gruen ausschliesslich fuer PE: IEC 60446, EN 60446, OeVE/OeNORM – alle eindeutig. Keine Ausnahmen, auch nicht fuer GND-Brueckenleiter.
- DALI-Busleitung und 230V-Last nicht gemeinsam: Loxone empfiehlt bei langen Strecken, DALI-Bus und Netzleitung nicht gemeinsam zu verlegen (max. Spannungsabfall auf DALI-Bus: 2V bei 1,5 mm²-Leiter, max. 300 m).
- Aderfarbe GND-PE-Bruecke im KG: Projektkonform weiss, mit Klemmbeschriftung. Niemals blau (= Neutralleiter) oder schwarz (= Phase) verwenden – entgegen mancher Empfehlung aus allgemeinen Quellen, die die Projektkonvention nicht kennen.
Offene Punkte / noch zu pruefen
Section titled “Offene Punkte / noch zu pruefen”- Querschnitt der GND-PE-Brueckenader im KG festlegen (abhaengig von finaler LED-Gesamtlast)
- Bestaetigung durch Elektriker: Welche Klemme der HPAS oder PE-Schiene im HV wird als Ankerpunkt verwendet?
- Pruefen ob Emilum-Netzteile Schutzklasse I oder II: bei SK II kein eigener PE-Anschluss am Gehaeuseblech noetig, dann entfaellt diese Verdrahtungspflicht fuer die Technikpunkte
- GND-Querschnitt fuer Link-Zuluftadern KG→EG und EG→OG bei Vollausbau-Laststrom pruefen (Spannungsabfall auf GND bei langen Wegen relevant fuer Tree-Stabilitaet)